Das freie Reisen und das Aus
Bis zur staatlichen Selbstständigkeit war das individuelle Reisen in das historische Ostgalizien praktisch unmöglich, wenn es in seltenen Fällen bis 1991 gelungen war in die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik (Sowjetunion) zu reisen, dann hatten die „Heimwehtouristen“ es mit einer Überwachung durch die Miliz zu tun.
Etwa 30 Jahre gab es dann ein freies Reisen , für die noch in Galizien Geborenen war das Besuchen ihrer Herkunftsorte auf einmal möglich – nach einer so langen Zeit fast ein Wunder, um die alte Heimat zu sehen, denn 1939/1940 hatten sie im Rahmen der Umsiedlung („Hitler-Stalin-Pakt) das Land verlassen, wo sie über 150 Jahre ansässig waren.
Bis zur russischen Invasion wurden solche Reisen zu Normalität, aber dann endete diese so inhaltsreiche Zeit für den Verein.
Jetzt im fünften (2026) Jahr des Angriffskrieges verüben die Invasoren immer mehr Kriegsverbrechen gegen die Zivilbevölkerung und es geht auch um das Auslöschen ukrainischer Kulturzeugnisse zu ihrer Geschichte.
Am 24. März 2026 geschah dann das unverstellbare; Russland griff mit Drohnen die Altstadt von Lviv/Lemberg in der Westukraine an!

Drohnenangriff auf die historische Altstadt, das Bernhardiner Kloster von Lemberg /Lwiw am 24.03. 2026
Bildquelle:
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In vielen Artikeln unserer Mitgliederzeitung Das Heilige Band -Der Galiziendeutsche und später im Blickpunkt Galizien-Das Heilige Band wurde über die Besuche in den Siedlungsorte berichtet, Filme, Videoclips auf dem Portal YouTube gibt es auch, aber der wohl bedeutungsvollste Fund war die Wiederentdeckung von Archivalien im Zentralen Staatlichen Archiv der Ukraine (CDIAUL) in Lviv/Lemberg.
Dieser Drohnenangriff war nur wenige Meter vom Gebäude des Archivs entfernt, wo auch die Archivalien der Deutschen aus Galizien deponiert sind.
Der Vorstand des Vereins hatte eigentlich in seinem Handeln daran gedacht, dass es weitere Exkursionen nach Ostgalizien geben würde. Diese empfundene Normalität kann man auch an der Begeisterung des langjährigen Vorsitzenden Horst Vocht erahnen, dass er bei 23 Reisen nach Ost und Westgalizien dabei war. Es war nicht nur das Sehen der Dörfer und Städte, da haben sich Freundschaften entwickelt. Es gibt sie auch 2026 immer noch, aber nur virtuell mit gelegentlichen Videokonferenzen unter den Bedingungen ständiger Drohnen- und Raketenangriffe!

Horst Vocht, rechts und Pfarrer Dariusz Chwastek, links bei einem Besuch in Westgalizien Nowy Sącz im Jahr 2017
Versuch einer historischen Einordnung zum Vertiefen der jüngeren Geschichte der Ukraine
Der Angriff Russlands auf die Ukraine im Jahr 2022 war für die breite Öffentlichkeit nicht vorstellbar gewesen.
Eine der wenigen mahnenden Stimmen war der Osteuropa-Historiker Prof. Karl Schlögel, der in seinen Publikationen auf die aggressive Politik von Putin verwiesen hat.
Aus der Biografie von Prof. Karl Schlögel:
Das Buch „Entscheidung in Kiew“ ist ein zentrales Werk zur Ukraine und liegt in mehreren Ausgaben vor.
Die Erstausgabe erschien 2015 (ukrainische Lektionen)
- Neuausgabe: 2023/2025 aktualisiert, erweitert um Analysen zum russischen Angriffskrieg
Karl Schlögel verbindet Reisereportage, historische Analyse und politische Einordnung. Er zeigt, wie die Ukraine über Jahrzehnte im westlichen Blickfeld unterschätzt wurde und warum der Krieg gegen sie ein Angriff auf die europäische Freiheitsordnung ist!
In der Begründung zur Auszeichnung mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels 2025 heißt es:
(…) Was macht die Ukraine aus? Erst mit der russischen Annexion der Krim entwickelte sich ein Bewusstsein für die Eigenständigkeit dieses Landes, das nach dem Willen der Aggressoren nun von der Landkarte verschwinden soll. Seit vielen Jahren ist Karl Schlögel in der Ukraine unterwegs, seine ukrainischen Lektionen von 2015 ergänzt er nun um einen großen Essay über den Krieg, der sich gegen die Idee der Freiheitlichkeit überhaupt richtet. Lemberg, Odessa, Czernowitz, Kiew, Charkiw, Mariupol: All diese Namen, die sich nun mit Schreckensnachrichten verbinden, stehen eigentlich für eine offene, vielfältige Welt, die der Westen viel zu lange ignoriert hat. Wer wirklich wissen will, was in Europa auf dem Spiel steht, muss auf die Ukraine schauen. (…)

KARL SCHLÖGEL; Entscheidung in Kiew Hanser Verlag 2022, Hardcover, ISBN 978-3-446-27657-4
Reisen und Exkursionen in das historische Galizien
In einer Folge Beiträgen wollen wir von Reisen berichten zu den ehemaligen deutschen Siedlungen im historischen Galizien und den herzlichen Begegnungen mit den Bewohnern. Diese Exkursionsreisen sind ein bedeutender Abschnitt in der Geschichte des Vereins Die Galiziendeutschen – Geschichte und Erinnerungskultur e.V., der im Jahr 2026 vor 80 Jahren gegründet wurde.







